edoc-Server des Robert Koch-Instituts

Band einer Schriftenreihe

Autor(en): Silke Buda; Karla Köpke; Kerstin Prahm; Brunhilde Schweiger; Marianne Wedde; Susanne Duwe; Udo Buchholz; Matthias an der Heiden; Walter Haas
Titel: Bericht zur Epidemiologie der Influenza in Deutschland Saison 2014/15
Erscheinungsdatum: 14.09.2015
Erschienen in: Influenza-Berichterstattung  0
(AGI)
Volltext: pdf (urn:nbn:de:0257-10040933)
Fachgebiet(e): Medizin
Schlagwörter (ger): Influenza, Deutschland, Epidemiologie
Herausgeber: Robert Koch-Institut
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Abstract (ger):
Die Ergebnisse der Influenza-Überwachung des Robert Koch-Instituts (RKI) in der Saison 2014/15 basieren hauptsächlich auf den Daten des Sentinelsystems der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) mit seiner syndromischen und virologischen Surveillance. Die syndromische Surveillance umfasst seit der Saison 2012/13 neben der klassischen Meldung von akuten Atemwegserkrankungen aggregiert in Altersgruppen auch die elektronische Erfassung von Diagnosecodes akuter respiratorischer Erkrankungen in Sentinelpraxen (SEEDARE). Die virologischen Daten zu Influenza werden ergänzt durch Ergebnisse von sechs mit der AGI kooperierenden Landeslaboren in Baden-Württemberg, Bayern, Mecklenburg- Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und in Thüringen. Weiterführende virologische Analysen zu den zirkulierenden Influenzaviren hat das Nationale Referenzzentrum für Influenza (NRZ) beigetragen. Die von den deutschen Gesundheitsämtern erhobenen Meldedaten zu Influenza- Erkrankungen aus dem gesamten Bundesgebiet wurden ebenso in die Einschätzung mit einbezogen wie die Ergebnisse aus dem Online-Portal GrippeWeb, bei dem die Bevölkerung selbst zu akuten Atemwegserkrankungen befragt wird.
Bereits in der 41. Kalenderwoche (KW) 2014 gelang der erste Influenzanachweis im Rahmen des Sentinels der AGI. Ab der 43. KW 2014 wurden kontinuierlich Influenzaviren nachgewiesen und ab der 2. KW 2015 lag der Anteil Influenzapositiver Proben (Positivenrate) kontinuierlich über 20 %. Die Grippewelle in der Saison 2014/15 begann in der 2. KW und endete mit der 16. KW 2015 Mitte April. Die Aktivität akuter Atemwegserkrankungen, gemessen im Praxisindex, überschritt bereits in der 50. KW 2014 den Grenzwert für die Hintergrund-Aktivität, fiel zum Jahreswechsel, um ab der 4. KW steil anzusteigen. In der 8. und 9. KW wurde der Höhepunkt der Grippewelle erreicht, mit Praxisindexwerten, die nur in den starken Saisons 1995/96, 2004/05 und zuletzt 2012/13 erreicht wurden.
Die Zahl der Arztbesuche während der Influenzawelle in der Saison 2014/15, die über das erwartete Maß (ohne Influenza) hinausgingen (Exzess-Konsultationen), wurde auf 6,2 Millionen (95 %-Konfidenzintervall (KI) 5,5 – 6,7 Millionen) geschätzt. Influenza-assoziierte Arbeitsunfähigkeiten (bzw. Pflegebedürftigkeit oder die Notwendigkeit der Bettruhe bei Patienten, die keine Krankschreibung benötigen) wurden auf 3,7 Millionen (95 %-KI 3,4 – 4,1 Millionen) geschätzt. Die geschätzte Anzahl der grippebedingten zusätzlichen Krankenhauseinweisungen aus primärversorgenden Praxen betrug 31.000 (95 %-KI 26.000 – 35.000). Die Schätzwerte liegen damit nur wenig unter denen für die Saison 2012/13. Im Vergleich mit der Saison 2012/13 war die Influenza-Aktivität 2014/15 während des Höhepunktes der Grippewelle zwar stärker, die Grippewelle war aber um vier Wochen kürzer. In der Saison 2014/15 war die Altersgruppe ab 60 Jahre besonders von schweren Krankheitsverläufen betroffen.
Bei den im Rahmen des Sentinels untersuchten Patientenproben dominierten Influenza A(H3N2)-Viren die Influenzanachweise mit 62 %. Influenza A(H1N1)pdm09-Viren wurden in 15 % der positiven Proben identifiziert und Influenza B-Viren in 23 %. Geprägt war die Saison 2014/15 durch frühe Hinweise auf eine Gendrift der zirkulierenden Influenza A(H3N2)-Viren, die deshalb nicht gut von der entsprechenden Komponente im Influenzaimpfstoff abgedeckt waren. Die genetische wie die antigene Charakterisierung der zirkulierenden Influenzaviren unterstützen die Empfehlung der WHO bezüglich eines Wechsels der A(H3N2)- und der Influenza B-Impfstoffkomponenten für die Saison 2015/16. Auch hinsichtlich der Empfindlichkeit der Influenzaviren gegenüber Neuraminidasehemmern wurden umfangreiche Untersuchungen vom NRZ durchgeführt. Es wurden keine Resistenzen gegen diese antiviralen Arzneimittel gefunden.
Aus den Auswertungen aus GrippeWeb ging hervor, dass während der Grippewelle etwa jeder fünfte Patient mit einer akuten respiratorischen Erkrankung einen Arzt aufsuchte. Die im SEEDARE-Projekt erhobenen fallbasierten, auf ICD-10-Code basierenden Informationen z. B. zu Grippediagnosen (J09 – J11) erlaubten nicht nur eine zusätzliche detaillierte Analyse, sondern sind auch für eine ILI-Surveillance geeignet, wie sie in vielen europäischen Nachbarländern im ambulanten Bereich durchgeführt wird.
Im Kapitel Impfung wird über das Ergebnis einer Studie zu Influenza-Impfquoten und -Impfverhalten von älteren Menschen und Personen mit chronischen Erkrankungen in den Saisons 2012/13 und 2013/14 berichtet. Die Wirksamkeit der Influenza-Impfung in der Saison 2014/15 wurde wie in den Vorsaisons basierend auf Daten aus der virologischen Surveillance der AGI untersucht.

Für die Saison 2015/16 empfahl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine für zwei Komponenten abweichende Zusammensetzung des Impfstoffs gegen Influenza im Vergleich zur Saison 2014/15 für die nördliche Hemisphäre:

- Influenza A(H1N1)-Komponente, unverändert: ein A/California/7/2009 (H1N1)-ähnliches Virus;

- Influenza A(H3N2)-Komponente, neu: ein A/ Switzerland/9715293/2013 (H3N2)-ähnliches Virus

- Influenza B-Komponente, neu: ein B/Phuket/ 3073/2013-ähnliches Virus aus der Yamagata- Linie.

Im Bericht wird außerdem die Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) wiedergegeben.
Schließlich wird im Kapitel Influenza als Zoonose die aktuelle Situation bezüglich aviärer und porciner Influenza in ihren jeweiligen Tierspezies und bei humanen Erkrankungsfällen geschildert. Das Auftreten von humanen Erkrankungen mit aviärer Influenza A(H5N1) in Ägypten in 2014/15 und A(H7N9) in der Volksrepublik China in einer dritten Welle im Frühjahr 2015 findet dabei besondere Berücksichtigung.
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Generiert am 21.08.2017, 20:05:08