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Ausgabe

Titel: MiTest-Studie: Abschlussbericht 2016 – Eine qualitative Studie zur Inanspruchnahme von HIV- und STI-Testangeboten durch Migrantinnen und Migranten in Deutschland
Erscheinungsjahr: 2016
Volltext: pdf (urn:nbn:de:0257-10045768)
Schlagwörter (ger): HIV, STI, Migrantinnen und Migranten, Studie
Einrichtung: Robert Koch-Institut
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Abstract (ger):
Hintergrund
Migration kann in Verbindung mit anderen Faktoren wie etwa einem ungeklärten Aufent-haltsstatus oder Rassismus dazu führen, dass Menschen in Deutschland ein erhöhtes HIV- und STI-Risiko und Einschränkungen im Zugang zu entsprechenden Testangeboten haben. Ursache sind insbesondere soziale und rechtliche Faktoren. Bisher gibt es dazu in Deutschland vereinzelte, oft regional begrenzte Studien zu bestimmten Risikogruppen, doch bundesweit anwendbare Daten fehlen. Die vom Robert Koch-Institut durchgeführte MiTest-Studie wirft einen aus der Perspektive der Test- und Beratungspraxis umfassenden Einblick in die HIV- und STI-Testpraxis bei Menschen mit Migrationsgeschichte.
Forschungsziele
• Einblick in die HIV- und STI-Test und -Beratungslandschaft in Bezug auf deren In-anspruchnahme durch Migrantinnen und Migranten
• Identifizierung von Forschungsbedarf
• Vernetzung im Bereich der HIV- und STI-Testung und -Beratung
• Entwicklung praxisrelevanter Empfehlungen
Methode
Es wurden Fokusgruppendiskussionen mit Expertinnen und Experten aus der HIV- und STI-Testung, -Beratung und -Behandlung und aus Beratungseinrichtungen für Migrantinnen und Migranten durchgeführt. Darin wurden Praxiserfahrungen zu Barrieren, Herausforderungen und Lösungsansätzen diskutiert. Ergänzt wurde diese qualitative Methode mit einem quantitativen Fragebogen zur detaillierten Erhebung von Informationen zur aktuellen Testpraxis teilnehmender Einrichtungen. In einem abschließenden Workshop wurden gemeinschaftlich praxisrelevante Empfehlungen für einen optimierten Zugang zu HIV- und STI-Testangeboten entwickelt.
Ergebnisse
Es fanden sieben Fokusgruppendiskussionen mit jeweils vier bis zwölf Teilnehmenden in sechs Städten (Bevölkerung >500 000) mit hohem Migrationsanteil (13%-31%) statt. Außerdem wurden 37 Fragebögen an alle Einrichtungen mit potentiellem Testangebot ausgegeben (Rücklaufquote 100%). Die Fokusgruppen zeigten, dass es in der HIV- und STI-Test und -Beratungspraxis bereits viele gute Ansätze und einen reflektierten Umgang mit den Themen Migration und HIV gab. Trotzdem hatten viele Migrantinnen und Migranten im Vergleich zur mehrheitsdeutschen Bevölkerung noch immer keinen gleichberechtigten Zugang zu Testangeboten. Von einge-schränkten Behandlungsmöglichkeiten bei positivem HIV-Status über einschränkende Fak-toren wie einen ungeregelten Aufenthaltsstatus, fehlende Krankenversicherung, Sprachbarrieren, finanzielle Limitationen, Stigmatisierung und Rassismuserfahrung oder andere, durch den Migrationsprozess bedingte Aspekte, bis hin zu fehlenden Basisangeboten wie Sprach- und Kulturmittlung, waren Zugangsbarrieren in der Praxis präsent. Die Barrieren lassen sich den Ebenen politische und gesetzliche Rahmenbedingungen, Angebote und Nutzung zuordnen. Entsprechend beziehen sich auch die Lösungsvorschläge auf alle drei Ebenen. Auf Ebene der politischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen, müssten aus Sicht der Studienteilnehmenden die Problematik präsent, die HIV-Versorgung gesichert und finanzielle Mittel für die Optimierung von Angeboten bereitgestellt sein. Auf der Ebene der Angebote spielte die Anerkennung von Diversity eine wichtige Rolle. Angebote müssten noch besser an den Bedarf angepasst und kultursensibel ausgerichtet werden. Auf Ebene der Nutzung waren zentrale Lösungsansätze die Teilhabe von Migrantinnen und Migranten durch Partizipation in Forschung und Praxis, die Vermittlung von Wissen zu HIV und STI sowie Integration. Ziel sollte sein, dass Migrantinnen und Migranten „wie alle anderen zu uns kommen“.
Empfehlungen
Die in der MiTest-Studie diskutierten Praxiserfahrungen zeigen einen hohen Handlungsbe-darf hinsichtlich der Optimierung des Zugangs zu HIV- und STI-Testung für Migrantinnen und Migranten. Bestehende Barrieren müssen effektiv und langfristig erkannt und abgebaut werden, so dass alle Menschen, unabhängig ihres Herkunftslandes und ihrer Lebenssituation, den gleichen Zugang zu Gesundheit haben. Partizipative Forschungsmethoden und Anerkennung von Diversity stellen eine Chance für die zukünftige Forschung und Praxis dar, um Angebote noch effektiver an die Lebenswelten der Zielgruppen anzupassen. Dabei ist eine enge Kooperation zwischen Praxis und Forschung, sowie die kontinuierliche und aktive Thematisierung der Problematik auf politischer Bühne von zentraler Bedeutung.
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Generiert am 28.05.2017, 02:16:06