edoc-Server des Robert Koch-Instituts

Ausgabe

Autor(en): Silke Buda; Kerstin Prahm; Ute Preuß; Brunhilde Schweiger; Barbara Biere; Marianne Wedde; Susanne Duwe; Udo Buchholz; Matthias an der Heiden; Walter Haas
Titel: Bericht zur Epidemiologie der Influenza in Deutschland Saison 2015/16
Erscheinungsdatum: 20.09.2016
Volltext: pdf (urn:nbn:de:0257-10046882)
DOI: 10.17886/rkipubl-2016-010
Schlagwörter (ger): Influenza, Epidemiologie
Einrichtung: Robert Koch-Institut
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Abstract (ger):
Die Ergebnisse der Influenza-Überwachung des Robert Koch-Instituts (RKI) in der Saison 2015/16 basieren hauptsächlich auf den Daten des Sentinelsystems der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) mit seiner syndromischen Surveillance akuter respiratorischer Erkrankungen und der virologischen Surveillance respiratorischer Erreger. Die virologischen Daten zu Influenza werden ergänzt durch Ergebnisse von sechs mit der AGI kooperierenden Landeslabore in Baden-Württemberg, Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und in Thüringen. Aus Mecklenburg-Vorpommern konnten in dieser Saison auch syndromische Daten aus Sentinelpraxen der landeseigenen Surveillance integriert werden. Weiterführende virologische Analysen zu den zirkulierenden Influenzaviren hat das Nationale Referenzzentrum für Influenza (NRZ) beigetragen. Die von den deutschen Gesundheitsämtern erhobenen Meldedaten zu Influenza-Erkrankungen aus dem gesamten Bundesgebiet wurden ebenso in die Einschätzung mit einbezogen wie die Ergebnisse aus dem Online-Portal GrippeWeb, bei dem die Bevölkerung selbst zu akuten Atemwegserkrankungen befragt wird. Bereits in der 41. Kalenderwoche (KW) 2015 gelang der erste Influenzanachweis im Rahmen des Sentinels der AGI. Ab der 46. KW 2015 wurden kontinuierlich Influenzaviren nachgewiesen. Der Anteil Influenza-positiver Proben (Positivenrate) stieg in der 2. KW 2016 deutlich an auf 18 % und lag ab der 3. KW 2016 kontinuierlich über 20 % bis zur 15. KW 2016. Die Grippewelle in der Saison 2015/16 begann in der 2. KW und endete mit der 15. KW 2016 Mitte April. Die Aktivität akuter Atemwegserkrankungen, gemessen im Praxisindex, überschritt in der 1. KW 2016 den Grenzwert für die Hintergrund-Aktivität, ging in der Folgewoche kurzzeitig zurück und stieg dann an bis zu einem deutlich erhöhten Wert von 173 in der 7. KW 2016. Auf diesem deutlich erhöhten Niveau blieben die Werte bis zur 11. KW 2016, um dann bereits in der 14. KW 2016 wieder in den Bereich der ARE-Hintergrund-Aktivität zurück zu gehen. Während der Grippewelle in der Vorsaison 2014/15 und auch in der starken Saison 2012/13 wurden deutlich höhere Praxisindexwerte erreicht. Die Zahl der Arztbesuche während der Influenzawelle in der Saison 2015/16, die über das erwartete Maß (ohne Influenza) hinausgingen (Exzess-Konsultationen), wurde auf 4,1 Millionen (95 %-Konfidenzintervall (KI) 3,5 – 4,5 Millionen) geschätzt. Influenza-assoziierte Arbeitsunfähigkeiten (bzw. Pflegebedürftigkeit oder die Notwendigkeit der Bettruhe bei Patienten, die keine Krankschreibung benötigen) wurden auf 2,2 Millionen (95 %-KI 1,9 – 2,5 Millionen) geschätzt. Die geschätzte Anzahl der grippebedingten Krankenhauseinweisungen aus primärversorgenden Praxen betrug 16.000 (95 %-KI 13.000 – 19.000). Die Schätzwerte liegen damit unter den Werten der starken Saisons 2012/13 und 2014/15 und deutlich über denen der milden Saison 2013/14. Im Vergleich mit der Vorsaison 2014/15 war die Altersgruppe ab 60 Jahre in der Saison 2015/16 nicht so stark von schweren Krankheitsverläufen betroffen. Die in der ersten Hälfte der Grippewelle dominant zirkulierenden Influenzaviren A(H1N1) pdm09 in Deutschland und den meisten anderen europäischen Ländern verursachten aber bei jüngeren Erwachsenen teils schwere Krankheitsverläufe. Die stärker betroffenen jüngeren Altersgruppen und ein eher ungewöhnlicher regionaler Verlauf der Grippe-Aktivität von Ost nach West, der in Europa und auch in den AGI-Regionen in Deutschland beobachtet wurde, prägten die Saison 2015/16. Bei den im Rahmen des Sentinels untersuchten Patientenproben dominierten am Ende der Saison und insgesamt Influenza B-Viren die Influenzanachweise mit 55 %. Influenza A(H1N1) pdm09-Viren wurden zu Beginn der Grippewelle am häufigsten nachgewiesen und in insgesamt 43 % der positiven Proben identifiziert. Influenza A(H3N2)-Viren wurden im Gegensatz zur Vorsaison mit 2 % nur sporadisch nachgewiesen. Die Mehrzahl der im Nationalen Referenzzentrum für Influenza charakterisierten Influenza A(H1N1) pdm09-Viren waren dem für die Saison 2015/16 8 Zusammenfassung empfohlenen Impfstamm noch sehr ähnlich. Dagegen gehörten 96 % der charakterisierten Influenza B-Viren der Victoria-Linie an, während für den trivalenten Influenzaimpfstoff als Influenza B-Komponente ein Impfstamm aus der Yamagata- Linie von der WHO empfohlen worden war. Im Berichtszeitraum zur Saison 2015/16 wurden insgesamt 40 % der im NRZ nachgewiesenen Influenzaviren und 18 % der eingesandten Virusisolate auf ihre Resistenzeigenschaften untersucht. Alle untersuchten Viren zeigten sich empfindlich gegenüber den Neuraminidasehemmern Oseltamivir und Zanamivir. In Europa beträgt die Prävalenz resistenter Viren weniger als 1 %. In den folgenden Beiträgen werden Ergebnisse zusätzlicher Studien und Projekte des RKI zu Influenza vorgestellt. Die diesjährigen Auswertungen der Grippe- Web-Daten bezüglich der Teilnehmer mit ARE, die deswegen auch einen Arzt aufsuchten, zeigten eine hohe Übereinstimmung mit den entsprechenden Wochenwerten der AGI-Konsultationsinzidenz, ein wichtiger Beleg für die gute Schätzgenauigkeit dieser Werte in beiden Systemen. Im Rahmen der GrippeWeb Plus-Machbarkeitsstudie, bei der sich ein kleiner Teil der GrippeWeb-Teilnehmer selbst Nasensekret entnahm und an das RKI zur Untersuchung sandte, konnten in 72 % der Proben von Teilnehmern mit ARE-Symptomen respiratorische Viren nachgewiesen werden. Erste Ergebnisse aus dem neuen syndromischen Krankenhaussurveillancesystem des RKI für schwere akute respiratorische Infektionen (ICOSARI-Projekt) zeigen für die letzten drei Saisons altersgruppenspezifische Daten zu akuten respiratorischen Erkrankungen bei hospitalisierten Patienten innerhalb und außerhalb von Grippewellen. Die zunehmende öffentliche Wahrnehmung der Daten und Auswertungen der Arbeitsgemeinschaft Influenza wird im nachfolgenden Beitrag über den AGI-Internetauftritt thematisiert. Im Kapitel Impfung wurde die Wirksamkeit der Influenzaimpfung in der Saison 2015/16 wie in den Vorsaisons basierend auf Daten aus der virologischen Surveillance der AGI untersucht. Für die Saison 2016/17 empfahl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine für zwei Komponenten abweichende Zusammensetzung des trivalenten Impfstoffs gegen Influenza im Vergleich zur Saison 2015/16 für die nördliche Hemisphäre: ”” Influenza A(H1N1)-Komponente, unverändert: ein A/California/7/2009 (H1N1)-ähnliches Virus; ”” Influenza A(H3N2)-Komponente, neu: ein A/ Hong Kong/4801/2014 (H3N2)-ähnliches Virus ”” Influenza B-Komponente neu: ein B/ Brisbane/60/2008-ähnliches Virus (Victoria-Linie) Für quadrivalente Impfstoffe, die eine zweite B‑Variante enthalten, wurde zusätzlich zu den oben genannten ein B/Phuket/3073/2013-ähnliches Virus (Yamagata-Linie) empfohlen. Im Bericht wird die Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) wiedergegeben. Außerdem wird über das Ergebnis einer Telefonbefragung des RKI berichtet, die das Ziel hatte, den Anteil an Eltern zu schätzen, die ihr Kind im Falle einer generellen Impfempfehlung gegen saisonale Influenza impfen lassen würden, sowie das Erkennen von Faktoren, welche die elterliche Einstellung beeinflussen. Schließlich wird im Kapitel Influenza als Zoonose die aktuelle Situation bezüglich aviärer und porciner Influenza in ihren jeweiligen Tierspezies und bei humanen Erkrankungsfällen geschildert sowie auf die erweiterte Meldepflicht bei zoonotischer Influenza hingewiesen, die im Mai 2016 in Kraft getreten
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Generiert am 25.04.2017, 11:56:25