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Band einer Schriftenreihe

Autor(en): Walter Haas; Udo Buchholz; Silke Buda; Andrea Grüber; Brunhilde Schweiger
Titel: Abschlussbericht der Influenzasaison 2008/09
Erscheinungsjahr: 2009
Erschienen in: Influenza-Berichterstattung  0
(AGI)
Volltext: pdf (urn:nbn:de:0257-10010726)
Fachgebiet(e): Medizin
Schlagwörter (ger): AGI, Arbeitsgemeinschaft Influenza, Abschlussbericht 2008/09, Influenzasaison
Herausgeber: Robert Koch-Institut
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Abstract (ger):
Die Ergebnisse der Influenza-Überwachung der Saison 2008/09 basieren auf den Daten von 847 ehrenamtlich mitarbeitenden Ärztinnen und Ärzten aus 699 Praxen des Sentinelsystems der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI), die das Auftreten von akuten Atemwegserkrankungen in ihrer Praxis wöchentlich melden. Die Ergebnisse fußen auch auf Informationen über die virologische Analyse von Influenzaviren aus einer Subgruppe der Patienten mit Influenza-typischen Erkrankungen. 152 Praxen wurden mit Material für Abstriche aus dem Nasenrachenraum zur Analyse durch das Nationale Referenzzentrum für Influenza (NRZ) am Robert Koch-Institut ausgestattet, 86 Praxen erhielten Schnelltests, um direkt in ihrer Praxis einen Test auf Influenzaviren durchzuführen. Eine weitere wichtige Quelle für virologische Analysen sind Influenza-Isolate, die von deutschen Landesuntersuchungsämtern oder Universitäten an das NRZ geschickt wurden. Auch in dieser Saison trug eine Kooperation mit den Landeslaboren in Bayern, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen zu einer erheblichen Verstärkung der virologischen Surveillance in diesen Bundesländern bei. Schließlich wurden die nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) von den deutschen Gesundheitsämtern erhobenen Meldedaten zu Influenza-Erkrankungen aus dem gesamten Bundesgebiet ausgewertet und in diesem Bericht berücksichtigt.

Die Auswertung für diesen Bericht erfolgt aus den Daten für den Zeitraum von der 40. Kalenderwoche (KW) 2008 bis zur 15. KW 2009. Die erste Virusanzucht gelang im NRZ in der 43. KW. Ab Woche 46 wurden regelmäßig Influenzaviren nachgewiesen, die Positivenrate (der Anteil der Abstriche mit Influenzanachweis) stieg bis zur 49. Woche 2008 kontinuierlich bis auf über 30 % an. Ein Anstieg der Positivenrate (bei einer ausreichenden Anzahl an eingeschickten Proben) geht dem Beginn einer auch in den Morbiditätsdaten nachweisbaren Grippewelle meistens voraus. Ein epidemiologisch messbarer Einfluss auf die Morbidität der Bevölkerung an akuten Atemwegserkrankungen war ab der 49. KW in Niedersachsen/Bremen und Schleswig- Holstein/Hamburg und ab der 50. bzw. 51. KW in Hessen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland- Pfalz/Saarland zu beobachten. Einer frühen ausgeprägten Influenza A-Welle mit einem Höhepunkt in der 4. Woche folgte eine leichtere Influenza B-Welle mit einem Höhepunkt in der 7./8. KW 2009. Die in diesen und den folgenden Wochen gemessene Stärke der Influenza-Aktivität war z. T. heftig und zeigte bundesweit Werte, die oberhalb der maximalen Aktivität einer üblichen Influenzawelle lagen. Die Grippewelle dauerte insgesamt von Woche 49 (2008) bis zur 11. KW (2009) an. Die Zahl der während der Grippewelle über das normale Maß hinausgehenden (Exzess-) Konsultationen wurde auf etwa 4.255.000 (3.140.000- 5.370.000) geschätzt und war damit deutlich stärker als in den beiden Vorsaisons. Sie blieb nur geringfügig unterhalb der starken Saisons 2002/03 und 2004/05 mit etwa 4,8 bzw. 5,9 Millionen Exzess-Konsultationen. Die Zahl der geschätzten grippebedingten Krankenhauseinweisungen betrug 18.700 (11.900-22.800), im Vergleich zu etwa 30.000 in den Saisons 2002/03 und 2004/05. Auf die Bevölkerung bezogen hatten die unter 5-jährigen Kinder die höchste kumulative Inzidenz an Exzess-Konsultationen und die über 60-Jährigen die höchste kumulative Inzidenz für Krankenhauseinweisungen, die der Influenza zugeschrieben wurden. Die Schätzung der während der Influenzasaison über das Normale hinausgehende Zahl der Todesfälle konnte noch nicht durchgeführt werden, da die endgültigen Todesfallzahlen bis zur Fertigstellung des Berichts nicht vorlagen.

Unter allen vom NRZ isolierten bzw. charakterisierten Viren überwog Influenza A mit 68 % (95 % Influenza A/H3N2 und 5 % Influenza A/H1N1). Influenza B-Viren repräsentierten 32 % aller isolierten Influenzaviren. Die A/H3N2-Viren reagierten noch recht gut mit dem Immunserum gegen den aktuellen Impfstamm A/Brisbane/10/2007. Auch wenn die A/H1N1-Viren sich durch einige Aminosäuresubstitutionen zum aktuellen Impfstamm A/Brisbane/59/2007 auszeichneten, waren sie in ihren antigenen Eigenschaften dem Impfstamm sehr ähnlich. In dieser Saison wurden im Vergleich zum vergangenen Jahr fast ausschließlich Influenza B-Viren der Victoria-Linie (99 %) nachgewiesen. Diese Viren wiesen sowohl genetisch als auch hinsichtlich ihres Antigenprofils eine signifikante Drift zum früheren Impfstamm dieser Linie, dem Stamm B/Malaysia/2506/2004 auf. Sie zeigten die engste Verwandtschaft zum Stamm B/Brisbane/60/2008, der als neue Impfstoffkomponente für die kommende Saison empfohlen wurde.

Für die Saison 2009/10 gab die Weltgesundheitsorganisation (WHO) folgende Empfehlung für die Impfstoffzusammensetzung in der nördlichen Hemisphäre bekannt:
● A/H1N1: A/Brisbane/59/2007 (bleibt wie für die Saison 2008/09)
● A/H3N2: A/Brisbane/10/2007 (bleibt wie für die Saison 2008/09)
● B: B/Brisbane/60/2008 aus der Victoria-Linie (neu).

Am 27. April 2009 stufte die WHO die weltweite Pandemiestufe von der bis dahin geltenden Phase 3 auf Phase 4 hoch, da in Mexiko und den USA Erkrankungen und – zunächst nur in Mexiko – Todesfälle durch eine neue Variante des Influenzavirus A/H1N1 aufgetreten waren. Diese Variante, die Gensegmente von menschlichen, aviären und porcinen Influenzaviren enthält, war bis dahin noch nicht bei Menschen oder Tieren beobachtet worden. Am 29. April wurde aufgrund der weiteren geografischen Ausbreitung die Phase 5 ausgerufen und am 11. Juni die Pandemiephase 6. Influenzaerkrankungen verursacht durch die Neue Influenza A/H1N1 sind inzwischen weltweit aufgetreten und nach den ersten drei bestätigten Fällen in Deutschland (27.04.2009) hat auch die Zahl der Erkrankungen in Deutschland zugenommen. In den ersten beiden Monaten waren etwa gleiche Anteile importiert bzw. in Deutschland erworben. Die Krankheitsverläufe in Deutschland waren bislang in der Regel milde, aber bei einer weiteren Verbreitung muss auch hierzulande mit schweren Verläufen gerechnet werden. Die AGI hat seit der 16. KW 2009 die Influenzasurveillance fortgeführt und berichtet weiterhin wöchentlich über die Morbidität durch akute respiratorische Erkrankungen in der Bevölkerung und die Ergebnisse der virologischen Surveillance durch das NRZ.

Alle Angaben in diesem Bericht, sofern nicht anders angegeben, beziehen sich auf die seit Jahren zirkulierenden saisonalen Influenzaviren (zur Neuen Influenza A/H1N1 s. Kap. 10).
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Generiert am 25.05.2017, 12:35:46