edoc-Server des Robert Koch-Instituts

Band einer Schriftenreihe

Autor(en): Silke Buda; Karla Köpke; Monika Luchtenberg; Brunhilde Schweiger; Barbara Biere; Susanne Duwe; Lena Fiebig; Udo Buchholz; Matthias an der Heiden; Walter Haas
Titel: Bericht zur Epidemiologie der Influenza in Deutschland Saison 2009/10
Erscheinungsjahr: 2010
Erschienen in: Influenza-Berichterstattung  0
(AGI)
Volltext: pdf (urn:nbn:de:0257-10010774)
Fachgebiet(e): Medizin
Schlagwörter (ger): Epidemiologie, AGI, Arbeitsgemeinschaft Influenza, Influenzasaison, Abschlussbericht 2009/10, der Influenza
Herausgeber: Robert Koch-Institut
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Abstract (ger):
Die Ergebnisse der Influenza-Überwachung der Saison 2009/10 basieren auf den Daten des Sentinelsystems der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) des Robert Koch-Instituts (RKI) zum Auftreten akuter Atemwegserkrankungen in primärversorgenden Praxen. Die Ergebnisse fußen auch auf Informationen über die virologische Analyse der Influenzaviren von Patienten mit Influenza-typischen Symptomen. In dieser Saison trug die Kooperation mit den Landeslaboren in Bayern, Mecklenburg- Vorpommern, Sachsen und erstmals auch Sachsen-Anhalt zu einer Verstärkung der virologischen Surveillance in diesen Bundesländern bei. Zusätzlich werden erste Ergebnisse des Sentinels zur elektronischen Erfassung von Diagnosecodes akuter respiratorischer Erkrankungen (SEEDARE) vorgestellt.

In diesem Bericht berücksichtigt wurden weiterhin die nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG) von den deutschen Gesundheitsämtern erhobenen Meldedaten zu Influenza-Erkrankungen aus dem gesamten Bundesgebiet sowie Daten aus Studien des RKI im Rahmen der Influenzapandemie A (H1N1) 2009. Die Auswertung für diesen Bericht erfolgte aus den Daten für den Zeitraum von der 16. Kalenderwoche (KW) 2009 bis zur 15. KW 2010.

Obwohl seit Ende April 2009 laborbestätigte Fälle von pandemischer Influenza A (H1N1) 2009 gemeldet wurden, deren Anzahl bis Anfang August zunächst anstieg, konnte ein epidemiologisch messbarer Einfluss auf die Morbidität der Bevölkerung an akuten Atemwegserkrankungen erst ab der 42. KW beobachtet werden. Die in dieser und den folgenden Wochen beobachtete Influenza-Aktivität war stark erhöht. Die pandemische Influenzawelle dauerte insgesamt von der 42. KW 2009 bis zur 2. KW 2010 an. Die Anzahl der während der Influenzawelle geschätzten Exzess-Konsultationen betrug 2.930.000 (95 %-Konfidenzintervall 2.510.000 – 3.360.000). Dieser Wert liegt im Bereich einer üblichen saisonalen Influenzawelle, war jedoch niedriger als in der Saison 2008/09.

Influenza-assoziierte Arbeitsunfähigkeiten (bzw. Pflegebedürftigkeit bei Kindern und älteren Menschen über 60 Jahre) wurden auf 1.547.000 (95 %-Konfidenzintervall 528.000 – 2.574.000) geschätzt. Die geschätzte Anzahl der grippebedingten zusätzlichen Krankenhauseinweisungen betrug 5.300 (95 %-Konfidenzintervall 1.400 – 9.300). Eine Berechnung der Übersterblichkeit während der Influenzawelle konnte noch nicht durchgeführt werden, da endgültige Zahlen der Todesfallstatistik zum Zeitpunkt der Fertigstellung des Berichts erst bis zum Jahr 2008 vorlagen.
Im Nationalen Referenzzentrum für Influenza (NRZ) wurden pandemische A (H1N1)-Viren seit ihrem ersten Auftreten in Deutschland im April 2009 über die nächsten drei Monate häufiger, danach im Sommer jedoch eher sporadisch nachgewiesen. In den ersten Oktoberwochen vermehrten sich die Nachweise und lagen über denen vom September. Mitte Oktober (43. KW) stiegen sie auf das Dreifache an und zeigten mit einem weiteren drastischen Anstieg in der 44. KW die begonnene Influenzawelle an. Im AGI-Sentinel wurden die meisten pandemischen A (H1N1)-Viren zwischen der 45. und 48. KW identifiziert. Im Gegensatz zur saisonalen Influenza wurden auch noch viele Wochen nach Abklingen der Welle Influenzaviren nachgewiesen. Der letzte Nachweis im Sentinel stammt aus der 12. KW. Die antigenetische Analyse zeigt, dass alle bisher isolierten pandemischen A (H1N1)-Viren dem Stamm A/California/7/2009 sehr ähnlich sind. Die nur sehr sporadisch aufgetretenen Influenza A (H3N2)-Viren reagierten sehr gut mit dem Antiserum gegen den neuen Referenzstamm A/Perth/16/2009. Die wenigen identifizierten Influenza B-Viren stammten aus der Victoria-Linie und wiesen antigenetisch eine große Ähnlichkeit mit der Influenza B-Komponente des Impfstoffs für die Saison 2009/10 auf.

Für die Saison 2010/11 gab die Weltgesundheitsorganisation (WHO) folgende Empfehlung für die Impfstoffzusammensetzung in der Nördlichen Hemisphäre bekannt:
▶ Influenza A (H1N1)-Komponente: ein A/California/ 7/2009 (H1N1)-ähnliches Virus; dies ist die Komponente für das pandemische Influenzavirus A (H1N1) 2009
▶ Influenza A (H3N2)-Komponente: ein A/Perth/ 16/2009 (H3N2)-ähnliches Virus; die Komponente der Vorsaison wurde ausgetauscht
▶ Influenza B-Komponente: ein B/Brisbane/ 60/2008-ähnliches Virus aus der Victoria-Linie; diese Komponente wurde aus der Vorsaison beibehalten
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Generiert am 22.03.2017, 00:30:53