Wirksamkeit von Maßnahmen zur Bewegungssteigerung bei Jugendlichen
Robert Koch-Institut
Bewegung im Jugendalter ist wichtig für die körperliche, psychosoziale und geistige Entwicklung und verringert das Risiko für die Entstehung von nichtübertragbaren Erkrankungen wie Diabetes mellitus Typ 2. In Deutschland erreichen weniger als die Hälfte der Jugendlichen die Empfehlung für körperliche Aktivität. Da im Jugendalter die Weichen für das spätere Gesundheitsverhalten gestellt werden, ist es wichtig, mithilfe von Interventionen (zielgerichteten Maßnahmen) Bewegung in den Lebenswelten Schule, Familie und Freizeit zu fördern. Interventionen können Faktoren auf individueller, sozialer und struktureller Ebene ansprechen; wenn sie auf mehrere Ebenen abzielen, werden sie als Mehrebeneninterventionen bezeichnet. Jede Bewegungssteigerung ist gesundheitlich relevant, selbst wenn damit noch nicht das Bewegungsziel entsprechend der Leitlinien erreicht wird (“every move counts”). Um einen Überblick über den Forschungsstand und über die Wirksamkeit von Interventionen zur Bewegungsförderung bei Jugendlichen zu gewinnen, wurde eine systematische Übersicht von Übersichtsarbeiten (Umbrella Review) durchgeführt. Insgesamt sind die Ergebnisse zu den betrachteten Interventionen sehr unterschiedlich, auch sind die Beobachtungszeiten teilweise sehr kurz. Für die Lebenswelt Schule zeigte sich, dass Mehrebeneninterventionen am besten erforscht sind und bei Jugendlichen die Bewegung in den meisten Fällen wirksam fördern. Die Wirksamkeit von Interventionen nur auf individueller Ebene ist sehr unterschiedlich. So zeigte sich, dass im Lehrplan verankerte Veränderungen effektiv sind, wenn Wissensvermittlung mit einem Bewegungsangebot kombiniert wird und körperliche Aktivität direkt in den Unterricht integriert wird. Ein wirksamer Ansatzpunkt für Veränderungen ist der Sportunterricht, etwa durch Erhöhung der wöchentlichen Sportstunden oder das Angebot vielfältiger Bewegungsarten. In Bezug auf das soziale Umfeld ist für die Bewegungsförderung bei Jugendlichen sowohl der Einbezug der Lehrenden und der Familie als auch Gleichaltriger sinnvoll und wirksam. Kaum erforscht sind strukturelle Bewegungsinterventionen wie beispielsweise der Ausbau von Radwegen. Für die Lebenswelt Familie und Freizeit zeigen sich große Forschungslücken. Auch die Wirksamkeit von digitalen Ansätzen zum Setzen von Zielen und zur Selbstbeobachtung wird derzeit noch erforscht.
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