Rötelnsituation in Deutschland
Ergebnisse der seroepidemiologischen Überwachung von 1990 bis 1998
Tischer, A.
Gerike, E.
Die Seroprävalenzstudien aus den Jahren 1990 bis 1998 spiegeln die aktuelle Rötelnsituation wider. Selektive Impfungen von jungen Mädchen und Frauen haben in der weiblichen Population ab dem 13. Lebensjahr erreicht, dass die bei der natürlichen Durchseuchung noch bestehenden Immunitätslücken im jungen Erwachsenenalter weitgehend geschlossen wurden. 1998 waren bei den 18- bis 30-jährigen Erwachsenen nur 0,8% bis 3% Frauen Röteln-seronegativ, aber 5% bis 13% der Männer. Unterschiede in der Immunitätslage zwischen alten und neuen Bundesländern, in denen die Rötelnschutzimpfung erst nach der Wiedervereinigung eingeführt wurde, lassen sich nicht mehr nachweisen. Ein Risikopotenzial für Schwangere ohne Rötelnschutz stellen vor allem die Immunitätsdefizite bei Kindern im Vorschulalter dar, die auf den verzögerten Beginn der Kleinkindimpfung, aber auch auf die geringere Akzeptanz der Kombinationsimpfung zurückzuführen sind. Im Vergleich zu Ländern wie Finnland, Schweden oder den USA, die der Elimination der konnatalen Röteln nahe sind, besteht in Deutschland noch ein erhebliches Potenzial von Empfänglichen. Die anhaltende endemische Viruszirkulation gefährdet die Hauptzielgruppe der Rötelnimmunprophylaxe, die Frauen in der Frühschwangerschaft. Erst wenn Impfraten von über 90% bei der MMR-Impfung der Kleinkinder im Laufe des zweiten Lebensjahres erreicht werden, besteht auch in Deutschland die reale Chance, nicht nur die Masern, sondern auch die konnatalen Röteln in den nächsten zehn Jahren auszurotten. The present situation regarding rubella is reflected in seroprevalence studies performed between 1990 and 1998. By selective immunisation of girls and young women (the female population >13 years of age) it was possible to a wide extent to close immunity gaps in young adults which occurred in the pre-vaccination era. In 1998 in the cohort of the 18–30-year-old population only 0.8–3% of the women were seronegative for rubella, compared to 5–13% of the men. Differences regarding immunity between old and new federal Länder are no longer existent, although vaccination against rubella was only introduced in the new Länder after the reunification. Above all, a potential risk for pregnant women without protection against rubella is conferred by the high percentage of pre-school children without rubella immunity. This is due to the delay in starting to vaccinate small children, but also to a lower acceptance of the combined vaccination. Compared to countries like Finland, Sweden or the United States, which have almost achieved the elimination of congenital rubella syndrome (CRS), in Germany a considerable number of individuals remain susceptible to this infection. Continuous endemic virus circulation endangers the main target group of rubella vaccination, i. e. women in the early stages of pregnancy. Only when MMR vaccination rates of more than 90% are achieved in small children in the course of their second year of life, there will be a real chance in Germany to eradicate not only measles, but also the CRS over the next 10 years.
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