2026-06-18Zeitschriftenartikel
Institutionalisierung der Infektionshygiene in Deutschland: Herausforderungen seit der Gründerzeit
Ein Rückblick auf über 50 Jahre KRINKO
Buchberger, Barbara
Maidhof, Jana
Dirks, Esther E.
Lexow, Franziska
Die Sicherstellung der öffentlichen Gesundheit durch strukturierte Infektionsprävention ist heute fest verankert. Die Etablierung unabhängiger Institutionen, evidenzbasierter Richtlinien und sektorenübergreifender Kooperationen in der Hygiene war jedoch kein Selbstläufer, sondern Ergebnis tiefgreifender historischer Entwicklungen und gesundheitlicher Krisen. Ziel des Beitrags ist es darzustellen, welche Entwicklungen in Deutschland zur Institutionalisierung der Infektionshygiene geführt haben und welchen wechselnden Herausforderungen sie seit der Gründerzeit begegnen muss.
Durch Industrialisierung und Urbanisierung entstanden im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts Probleme in der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung, die zu schweren Infektionsausbrüchen führten. Ab den 1920er-Jahren mussten Lösungen für die gesundheitsgefährdende Luft- und Bodenbelastung infolge des technischen Fortschritts entwickelt werden und nach 1950 gerieten nosokomiale Infektionen in den Fokus.
Die Gründung der Königlichen Versuchs- und Prüfungsanstalt für Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung 1901 war ein bedeutender Schritt für die Institutionalisierung der Infektionshygiene. Wechselnden Anforderungen entsprechend wurde das Aufgabenspektrum angepasst und zusätzliche Institute gegründet. Durch das Infektionsschutzgesetz sind heute das Robert Koch-Institut und die bei ihm angesiedelte Kommission für Infektionsprävention in medizinischen Einrichtungen und in Einrichtungen der Pflege und Eingliederungshilfe (KRINKO) mandatiert, Aufgaben der Infektionshygiene wahrzunehmen. An Schnittstellen mit anderen für Infektionsprävention und -hygiene zuständigen Einrichtungen des Bundes erzeugt die interinstitutionelle Zusammenarbeit Synergien zum Schutz der Bevölkerung. The protection of public health through structured infection prevention is now firmly established. However, the establishment of independent institutions, evidence-based recommendations and cross-sectoral cooperation in the field of hygiene was not a foregone conclusion, but rather the result of profound historical developments and health crises. The aim of this article is to describe the developments in Germany that have led to the institutionalisation of infection prevention and control (IPC) and the changing challenges it has faced since its inception.
Industrialisation and urbanisation in the last third of the 19th century led to problems with water supply and sewage disposal, which in turn led to serious outbreaks of infection. From the 1920s onwards, solutions had to be developed for the health hazards posed by air and soil pollution as a result of technological progress, and after 1950, nosocomial infections became the focus of attention.
The establishment of the Royal Research and Testing Institute for Water Supply and Wastewater Disposal in 1901 was a significant step towards the institutionalisation of IPC. The range of tasks was adapted to changing requirements and additional institutes were founded. Under the Infection Protection Act, the Robert Koch Institute and its Commission for Infection Prevention and Hygiene in Healthcare and Nursing are now mandated to perform IPC tasks. At interfaces with other federal institutions responsible for infection control inter-institutional cooperation creates synergies for the protection of the population.
Files in this item

